Episode 3: Die Regel vom frühen Kampf

VON Axel Maluschka
13. Januar 2014

In dieser Episode erfährst du ein einfaches wie uraltes Prinzip, dass dir hilft, Konflikte und Kämpfe zu meistern. Dabei setzt du möglichst wenig Energie ein und sorgst dafür, dass der Konflikt nicht eskaliert. Und ich erkläre, worin sich für mich die Begriffe „Konflikt“ und „Kampf“ unterscheiden.

Transkript

Dies ist mein Podcast „Lebens-Kampf-Kunst“. Ich bin Axel Maluschka.

Heute erfährst du von mir eine sehr einfache Regel, mit der du in Konfliktsituationen Energie sparen kannst und Eskalationen vermeidest. Das ist ein einfaches Prinzip, was - wie so oft - allerdings in manchen Situationen nicht leicht umzusetzen ist.

Kampf oder Konflikt?

Bevor ich heute in die Prinzipien einsteige, will ich mal noch die beiden Begriffe Kampf und Konflikt klären. Die hab ich nämlich bisher meist synonym, also bedeutungsgleich verwendet. Ich will aber gerne nochmal herausstellen, was für mich zumindest die Unterschiede zwischen dem Kampf und dem Konflikt sind.

Für mich ist der Kampf Teil des Konfliktes oder kann Teil eines Konfliktes sein. Das heißt, im Grunde genommen ist der Kampf ein offen ausgebrochener oder offen ausgetragener Konflikt. Das kann ein verbaler Kampf sein, aber auch ein gewaltsamer, also ein körperlicher Kampf.

In dem Sinne werde ich künftig versuchen, etwas bedeutungsklarer und bedeutungsgenauer zu sein und zwischen dem Kampf und dem Konflikt auch zu unterscheiden versuchen. Ich sage deshalb versuchen, weil die beiden Wörter bei mir tatsächlich beinahe bedeutungsgleich sind und ich sie sicher auch weiterhin als Synonyme verwenden werde.

Da ich beim Thema Klärung bin, komme ich gleich mal noch zu einer inhaltlichen Klärung.

Welche Konflikte ich meine

Ich werde in nächster Zeit hier im Podcast, wenn ich über Konflikte, über Konfliktprinzipien, über Kampf und Kampfprinzipien spreche, immer die Konflikte zwischen Menschen betrachten. Es geht mir also hier im Moment nicht um die Konflikte in uns drinnen, also um die inneren Konflikte, sondern um die zwischenmenschlichen Konflikte und die Prinzipien, auf die ich mich hier beziehe und die ich hier vorstelle.

Die sind auch wiederum Prinzipien, die du anwenden kannst, wenn du Konflikte mit anderen Menschen oder mit Gruppen hast.

Kommen wir zur heutigen Frage.

Wann solltest du einen Konflikt austragen? Also wann solltest du beginnen zu kämpfen?

Die Antwort ist ganz einfach. Genauso wie sie auch uralt ist.

Kämpfe dann, wenn der Konflikt noch klein ist.

Je früher du einen Konflikt austrägst, desto besser.

Kleiner Konflikt- konkret

Betrachten wir dazu mal ein konkretes Beispiel.

Du bist im Job in einer neuen Abteilung. Und ein neuer Chef kommt zum ersten Mal zu dir und bittet dich spontan, doch an diesem Tag Überstunden zu machen. Eine ganz wichtige Aufgabe müsste bis morgen früh erledigt werden. Das Blöde ist nur, dass du schon für den Abend, also für den Feierabend, was wichtiges Privates geplant hast. Vielleicht ein erstes Date oder wichtiger Vereinstermin. Was auch immer. Und dir ist dieser Termin wirklich wichtig. Das heißt, wenn du jetzt Überstunden machen würdest, hättest du ein Problemchen. Wie reagierst du?

Letztendlich solltest du schon jetzt an dieser Stelle in der Lage sein, dem Chef nein zu sagen.

Denn wenn du das nicht tust, dann wird er beim zweiten Mal, beim dritten Mal, beim vierten Mal auch wieder auf dich zukommen und irgendwann hat er sich dran gewöhnt.

Es geht bei Konflikten darum, dass du so früh wie möglich Grenzen ziehst, die respektiert werden, auch vom Chef.

Natürlich solltest du dabei strategisch geschickt vorgehen. Denn wenn du jetzt dem Chef sagst: "Nö, mach ich nicht," dann könnte es sein, dass du ein Problemchen hast. Also auf jeden Fall wirst du auf seiner Liste der Lieblingsmitarbeiter nicht unbedingt den ersten Platz belegen.

Wie du dem Chef geschickt "Nein" sagst

Wie gehst du also vor?

Bei den meisten Konflikten ist es am besten, einen Kompromiss anzustreben. Das heißt, ich gehe ein Stück auf den anderen zu und der kommt mir ein Stück entgegen.

Also beispielsweise könntest du den Chef fragen: "Sag mal, lieber Chef, die Aufgabe muss bis morgen fertig sein. Darf ich fragen, bis wann genau? Ach, bis acht Uhr! Okay... Und neun oder zehn Uhr geht nicht?Ja, alles klar. Okay. Wie wäre den folgender Vorschlag? Ich mache heute pünktlich Feierabend, weil ich wirklich einen sehr wichtigen Termin habe. Ich komme aber morgen früh zwei Stunden vor dem eigentlichen Beginn hier ins Büro und erledige die Aufgabe. Und du hast acht Uhr das Ergebnis auf dem Tisch. Wäre das okay für dich?"

Andersherum ist es ganz genauso.

Wie Chefs geschickt Grenzen setzen

Wenn du Führungskraft bist, dann solltest du gegenüber deinen Mitarbeitern so früh wie möglich die Grenzen abstecken. Du solltest so früh wie möglich deine Erwartungen klar und deutlich kommunizieren. Deine Mitarbeiter werden es dir danken und sie wissen dann letztendlich genau, woran sie sind und was du von ihnen erwartest.

Wenn dich dann doch mal jemand beispielsweise angreifen sollte, nehmen wir mal an, auch noch vor versammelter Mannschaft, dann zitierst du ihn sofort zu einem Vier-Augen-Gespräch und steckst noch einmal die Grenzen ab. Machst ihm noch einmal klar, dass du ein solches Verhalten nicht tolerierst.

Je früher du also Grenzen absteckst, die dann auch respektiert werden, desto leichter ist es, den Konflikt auszutragen beziehungsweise es gar nicht erst zum Konflikt kommen zu lassen. Sondern den Konflikt frühzeitig zu beenden.

Das gleiche gilt im Übrigen für den privaten Bereich. Auch hier empfehle ich dir: Sprich möglichst frühzeitig und regelmäßig über deine Erwartungen und über deine Grenzen.

Was ist schlimmer als Erwartungen?

Das Blöde an uns Menschen ist, dass wir Erwartungen an unsere Mitmenschen haben. Und noch schlimmer wird es, wenn man bedenkt, dass wir nicht nur Erwartungen an das Verhalten der anderen haben, sondern dass wir auch noch Erwartungen an ihre Erwartungen haben.

Und manchmal wollen wir diesen Erwartungs-Erwartungen besonders eifrig gerecht werden.

Und da wird es dann kompliziert. Das Ganze kann dann letztendlich nur zum Konflikt führen.

Was passiert nun, wenn du die Grenzen nicht frühzeitig setzt? Wenn du den Konflikt nicht frühzeitig austrägst?

Wir alle kennen das aus dem Privaten. Dann führen kleine Fehltritte plötzlich zu einer Explosion.

Das heißt also, ich habe mich verhalten in einer Art und Weise, die ich für völlig okay halte. Und mein Partner beispielsweise sagt auch nichts. Er findet es offensichtlich auch okay. Demzufolge gehe ich davon aus, alles ist gut. Und plötzlich explodiert der Partner.

Gleiches kann und wird dir im Job passieren. Das heißt also, du machst immer wieder Überstunden. Und irgendwann geht dir das dermaßen auf den Geist, dass du nicht mehr kannst und den Chef anschreist. Dann wird dieser logischerweise total überrascht sein.

Denn bisher waren ja Überstunden kein Thema für dich.

Das heißt, setze hier frühzeitig Grenzen.

Genau so ist es für dich als Chef. Wenn du nie Grenzen gesetzt hast und plötzlich welche setzt, dann darfst du dich nicht wundern, wenn deine Mitarbeiter diese nicht respektieren. Also auch hier ist es wichtig, von Anfang an klar zu kommunizieren über deine Grenzen und über deine Bedürfnisse.

Nochmal in Kürze

Ich fasse zusammen.

Das wichtige Konflikt-Prinzip ist eine Regel, die ganz einfach lautet:

Trage einen Konflikt dann aus, wenn er klein ist.

Das nächste Mal behandeln wir die Frage: Was sind überhaupt die Voraussetzungen dafür, dass ich eine Konfliktanbahnung erkenne?

Ich wünsche dir, dass du immer die Kraft und den Mut hast, Konflikte dann auszutragen, wenn sie noch klein sind.

Mehr gibt es auf www.maluschka.com.

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