Episode 6: Wie du in Kampf und Konflikt die Kontrolle behältst.

VON Axel Maluschka
19. Mai 2015

In der heutigen Episode gehen wir der Frage nach, wie du in Extremsituationen gelassen bleibst. Dadurch, dass du die Kontrolle über deine Emotionen behältst, kannst du die Situation kontrollieren. Du erfährst in einer kleinen Geschichte aus den Kampfkünsten, worum es in Extremsituationen geht. Und du bekommst zwei Übungen für den Alltag an die Hand, mit denen du Gelassenheit lernen kannst.

Transkript

Dies ist mein Podcast „Lebens-Kampf-Kunst“. Ich bin Axel Maluschka.

Kämpfe und auch verbale Kämpfe, also Konflikte, sind extreme Situationen in der heutigen Episode.

Sprechen wir darüber, wie du deine Kämpfe und Konflikte kontrollieren kannst.

Du wirst im ersten Teil erfahren, dass es das Wichtigste ist, dich selbst zu kontrollieren. Die Voraussetzung dafür ist, dass du gelassen bleibst.

Im zweiten Teil behandeln wir zwei kleine Übungen, mit denen du genau diese Gelassenheit in Extremsituationen erreichen und lernen kannst.

Warum ist es so wichtig, in einer extremen Situation wie dem Kampf oder dem Konflikt gelassen und sagen wir mal zumindest äußerlich ruhig zu bleiben?

Eine alte Geschichte aus den Kampfkünsten

Ich will dir dazu zu Beginn heute eine Geschichte aus den Kampfkünsten erzählen, die von Richard Kim stammt, einem Großmeister im Karate und Budo.

Richard Kim berichtet aus seiner Schülerzeit in Japan.

Er erzählt, dass eines Morgens der Sensei, der Meister, die Schüler aufgefordert hat, sich im Hof aufzustellen. Im Hof des Dojos.

Es war ein kalter und regnerischer Oktobermorgen und die Schüler standen in der Reihe.

Der Sensei nahm ein Schwert zur Hand, und er wirbelte auf die Schüler zu, stieß mit der Klinge in Richtung ihres Gesichts und stoppte jeweils zwei Zentimeter vor den Augen.

Natürlich blinzelten alle Schüler unwillkürlich. Bis auf einen Sato. Sato stand unbewegt da, ohne zu blinzeln.

Daraufhin fragte dann ein Schüler den Sensei: "Meister, warum zwinkern wir? Warum müssen wir blinzeln?"

Daraufhin hat der Sensei erklärt: "Ihr habt noch nicht den Zustand erreicht, den man Iwao no mi nennt. Wenn die Klinge auf eure Augen zukommt, blinzelt ihr unwillkürlich. Ihr wollt sozusagen eure Augen verteidigen."

Und der Sensei führt weiter aus: "Dass es das Ziel des Trainings ist, einen Zustand zu erreichen, in dem der Geist immer der gleiche bleibt. Indem er unbewegt wie ein Fels bleibt. Egal ob im Dojo, im Wettkampf oder auch im Ernstfall.

Der Sensei sagt: "Wenn ihr es schafft, dass die Klinge auf eure Augen zurast und ihr dabei nicht blinzelt, dann seid ihr bereit für den letzten Test."

Und alle Schüler wussten: Derjenige, der diesen letzten Test besteht, der wird der Nachfolger des Meisters werden.

Es regnet in Strömen, und der Meister bat die Schüler, ein Brett in den Hof zu legen. Die Schüler legten es auf den Boden.

Das war ungefähr zehn Meter lang und zehn Zentimeter breit. Und der Meister hieß Sato, einmal drüber zu laufen.

Sato tat das mit Leichtigkeit. Und alle Schüler fragten sich: "Hä? Was war das jetzt für ein Test? Das kann es doch nicht gewesen sein!"

Daraufhin sagte der Meister: "Wir ziehen los."

Und die Truppe marschierte raus aus dem Dojo. Hinein in die Berge. Kletterte auf den Berg hinauf.

Und als sie an der Spitze angelangt waren, war dort eine Klippe, eine Schlucht. Die war über 1500 Meter tief und acht Meter breit. Über der Schlucht lag ein Stamm.

Und der Sensei forderte Sato auf, über den Baumstamm auf die andere Seite zu laufen.

Es regnete weiterhin in Strömen, alles war glitschig und nass und kalt.

Und Sato stand einfach nur da und zitterte. Er konnte sich überhaupt nicht bewegen. Und die Schüler fragten sich, wie irgendjemand über diesen Baumstamm laufen könnte.

Daraufhin sagte der Meister.: "Dieser Baumstamm ist fünf Zentimeter breiter und zwei Meter kürzer als das Brett auf dem Boden im Dojo. Was hindert dich also daran, über diesen Stamm zu laufen?"

Und der Meister lief los. Lief über den Stamm auf die andere Seite und kam unbeschwert wieder zurück.

Keiner der Schüler konnte sich auch nur regen.

Sie trotteten langsam nach Hause. Und auch Sato hatte aufgehört zu lachen und zu scherzen.

Jetzt hatten die Schüler verstanden, was er damit gemeint hat, dass der Geist unbewegt wie ein Fels ist.

Es ist ein Zustand, in dem der Geist sich - egal unter welchen Umständen -, nie von äußeren Faktoren beeinflussen lässt.

Was wir aus der Geschichte lernen können

Die Frage ist nun: Was hast du von dieser Geschichte? Was kannst du aus ihr lernen?

Nun, ganz sicher ist es nicht erstrebenswert, zum - sagen wir mal - Hochseilakrobaten zu werden. So wie der Meister in der Geschichte über einen glitschigen Baumstamm zu laufen und sich freiwillig der tödlichen Gefahr auszusetzen. Das ist sicherlich ein extremes didaktisches Mittel gewesen.

Aber wir können etwas aus der Geschichte lernen für unseren Alltag.

Wir können lernen, dass es in Situationen, die drohen extrem zu werden, sehr gut und erstrebenswert ist, sich selbst unter Kontrolle zu halten. Das heißt, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten. Denn dann, wenn du dich selbst kontrollierst, dann bist du in der Lage, die Situation zu kontrollieren und damit auch den Kampf zu dominieren oder eben den Konflikt zu kontrollieren.

Das schließt unter anderem ein, dass du deinen Gegner oder deinen Konflikt gegenüber nicht hasst. Er sollte dir in der Situation gewissermaßen gleichgültig sein sowie eine objektive Gefahr.

Du solltest dich nicht von ihm lähmen lassen.

Und wenn dir das gelingt, 

  • wenn du dich selber kontrollieren kannst und 
  • wenn du deinen Gegner nicht hasst, 
  • wenn du nicht Opfer deiner eigenen Gefühle wirst, 

dann gelingt es dir auch, die Situation zu kontrollieren.

Genau in dem Moment kannst du den Konflikt oder den Kampf steuern, sodass du letztendlich als Gewinner hervor gehst.

Die allerbeste Lösung eines Konflikts ist es dabei, wenn zwei Gewinner vom Platz gehen. Genau dann hast du die optimale Lösung gefunden.

Wie du den unbewegten Geist erlangst

Wie erreichst du nun diese Selbstkontrolle? Wie erreichst du einen unbewegten Geist?

Zum einen ist das sicherlich ein etwas längerer Prozess. Das wirst du nicht von heute auf morgen erreichen.

Aber es gibt Übungen, die du in deinen Alltag einbinden kannst. Und zwei davon stelle ich dir jetzt im Folgenden vor.

Zunächst einmal: 

Selbstkontrolle beginnt mit Selbstdisziplin.

Das bedeutet, du solltest in der Lage sein, dich selber zu beherrschen, dir selber gewissermaßen Einhalt zu gebieten. Deine Impulse zu kontrollieren.

Die erste Möglichkeit, dies zu lernen bzw. im Lauf der Zeit zu verinnerlichen, beginnt mit ehrlicher Selbstbetrachtung.

Das heißt, wenn du mal wieder in die Situation kommst, dass du die Fassung verlierst, dass du Opfer deiner Emotionen, deiner Impulse wirst, dann betrachte im Nachhinein ganz ehrlich, was dich dazu gebracht hat, wie du in die Situation gekommen bist.

  • Wo genau bist du verletzt worden?
  • Wo genau bist du gepusht worden?

Dabei ist wichtig, dass du ganz, ganz ehrlich dir selbst gegenüber bist. Sonst bringt die ganze Übung nichts.

Und wenn du diese Auslöser identifiziert hast, dann bist du beim nächsten Mal in der Lage, wenn du in einer ähnlichen Situation bist, diesem Auslöser entgegenzuwirken. Du kannst also, sobald du diesen Auslöser spürst, sobald du ihn sich nähern spürst, kannst du einen eigenen Trigger entgegensetzen.

Du kannst beispielsweise innerlich sagen: "Halt!" Und dann atmest du tief durch und zählst innerlich bis drei.

So gelingt es dir vielleicht, dich zu beruhigen und gar nicht erst aufbrausend zu werden. Und so gelingt es dir vielleicht, die Kontrolle zu behalten und nicht Opfer deiner Emotionen zu werden.

Je häufiger du über deine schwierigen Situationen, in denen du die Fassung verloren hast, nachdenkst, darüber sinnierst im Nachhinein, desto mehr wirst du in dir verankern, dass du das nächste Mal auf dich achtest und das nächste Mal diesen eigenen Trigger entgegensetzt.

Das war die erste Mentalübung. Kommen wir zur zweiten kleinen Übung für den Alltag.

Halte inne!

Die zweite Übung heißt: Zwinge dich zur Langsamkeit, wo du normalerweise in Hektik verfällst.

Das heißt, bei kleinen Alltagssituationen, wo du normalerweise in Eile gerätst, wo du normalerweise in Hektik kommst, versuch dich zu beherrschen und bewusst langsam zu agieren.

Also bitte mach das nicht, wenn deine Wohnung brennt oder dein Haus!

Aber in Situationen, wo es einfach ungefährlich ist, ein bißchen langsamer zu sein. Du kennst ja den Spruch: Eile mit Weile.

Genau das wendest du in dem Moment an. Du wirst merken, wenn du entgegen deinem eigentlichen Impuls schnell zu handeln, wenn du entgegen diesem Impuls handelst, dann wirst du Erfahrungen sammeln. Und diese Erfahrung werden wahrscheinlich überwiegend gut sein.

Und wenn du diese neuen Erfahrungen gesammelt hast, dann wirst du dir im Lauf der Zeit das neue Verhaltensmuster antrainieren.

Und das neue Verhaltensmuster lautet ganz allgemein: 

Du kontrollierst deine Impulse.

Genau mit diesem antrainierten Verhalten bist du dann später auch in der Lage, in extremeren Situationen deine Impulse zu kontrollieren. Und somit wirst du die Gelassenheit erlangen, in Extremsituationen wie Kämpfen und Konflikten ruhig und gelassen zu bleiben.

Ich wünsche dir für deine Extremsituationen, für deine Konflikte, dass du immer souverän und gelassen bleibst und dass du sie möglichst oft und im besten Fall immer zu deinem langfristigen Vorteil löst.

Mehr gibt es auf www.maluschka.com.

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