Wie du Konflikte steuern kannst. Interview mit Konfliktnavigator Christoph Maria Michalski

Wie du Konflikte steuern kannst. Interview mit Konfliktnavigator Christoph Maria Michalski

Axel Maluschka     04. Juli 2019     2

 Souverän wirkst du, wenn du Konflikte steuern kannst.

Jede Führungskraft kann ihr Standing verbessern, indem sie ihre Konfliktfähigkeit erhöht.

Jede Innovation ist aus einem Konflikt entstanden.

Dies sind nur drei sinngemäße Zitate aus dem heutigen Interview.

Mein Interviewpartner Christoph Maria Michalski geht das Thema Konflikte mit "rostigem Charme" und viel Augenzwinkern an. Du wirst spüren, dass das Thema nicht so schwer sein muss, wie viele Menschen glauben.   

Ich hatte jedenfalls sehr viel Spaß an der heutigen Folge und denke, dass dieser auch transportiert wird.

Heute erfährst du:

  • Warum das Thema "Konflikte" faszinierend ist.
  • Und warum Konflikte dennoch so einen schlechten Ruf haben.
  • Was toll an Konflikten ist.
  • Wie der Konfliktnavigator seine Konflikte anpackt.
  • Wann ein Konflikt gelöst ist.
  • Welche Schritte du bei einem Konflikt gehen solltest, um ihn zu lösen.
  • Wie Christophs Kunden ihre Konflikte lösen konnten und
  • Wie du von seinen Ideen und Angeboten profitieren kannst.

Viel Spaß beim Hören!

Shownotes


Alle Folgen von „Konflikt-Power aufs Ohr“ findest du hier.


Transkript

Grüß dich! Du hörst die Folge 24 vom Podcast „Konflikt-Power aufs Ohr“. Sie trägt den Titel „Wie du Konflikte steuerst. Interview mit dem Konfliktnavigator Christoph Maria Michalski.“ Mein Name ist Axel Maluschka.

Du erfährst hier ganz nebenbei, wie du deine Konflikte kontrollieren kannst und welche Schritte du befolgen solltest, wenn es einmal kracht. Ich darf heute den Autor Christoph Maria Michalski interviewen. Ich habe ihn im Mai dieses Jahres als Redner auf der Bühne erlebt und war sehr angetan von ihm als Persönlichkeit und wie er das Thema Konflikte aufbereitet.

Ich mag Menschen, die über sich selber schmunzeln können, und die darüber hinaus auch ihr Thema nicht verbissen ernst nehmen. Insofern darfst du dich auf ein Interview freuen, das mit einer gewissen Leichtigkeit einhergeht, die unserem sonst eher bedrückenden Thema Konflikte guttut. Insofern starten wir am besten jetzt.

[Musik]

Axel: Hallo, Christoph. Ich grüße dich.

Christoph: Hallo, Axel. Ich grüß dich zurück.

Axel: Herzlich willkommen in der heutigen Podcastfolge. Zu Beginn bitte ich dich, dass du dich mal ganz kurz vorstellst für alle die Menschen, die dich noch nicht kennen.

Christoph: Danke erst mal für die Einladung. Christoph Maria Michalski. Ich bin der Konfliktnavigator. Aufgewachsen bin ich in der Nähe von Göttingen. Bin Lehrersohn beidseitig. Und – wie der zweite Vorname schon verrät – bin ich katholisch aufgewachsen. Und das ist natürlich schon prädestiniert für jemanden, der sich mit Konflikten beschäftigt.

Ich habe dann erst einen Umweg gedreht über ein technisches Studium. Bin dann an die Musikhochschule gegangen. Habe dort Diplom-Rhythmiklehrer studiert. Dieser Titel kann auch in weiblicher Form geführt werden, steht auf meiner Urkunde drauf. Ist schon ein bisschen länger her. Dann Diplom-Pädagoge Erwachsenenbildung und noch eine technische Ausbildung. Also: Musiker, Pädagoge und Techniker.

Beruflich habe ich mich rumgetrieben bei Bildungsträgern, und zwar den staatlich geförderten und danach auch den privaten. Also alles vom Arbeitsamt. Damals waren das ja Maßnahmen vom Sozialamt bzw. dem Jobcenter. Bis hin zu privaten Universitäten. Da habe ich meine ersten Führungserfahrungen gesammelt. Zum Schluss war ich Geschäftsführer für Nordrhein-Westfalen und Norddeutschland eines großen Konzerns mit über 700 Mitarbeitern.

Dann habe ich mich vor 10 Jahren selbstständig gemacht und mich als Konfliktnavigator spezialisiert.

Axel: Okay, das klingt ja schon mal sehr interessant als Lebensweg.

Christoph: Ja, das müsstest du mal von meiner Seite aus sehen.

Axel: Ja, mein Lebensweg ist auch recht vielfältig. Von daher kann ich das nachfühlen.

Christoph: Danke!

Warum Konflikte faszinierend sind

Axel: Christoph, du hast gesagt, du bist Konfliktnavigator geworden. Was fasziniert dich so sehr am Thema Konflikte?

Christoph: Das Erste ist – das gebe ich offen zu – meine damalige Unfähigkeit, mit Konflikten umzugehen. Also der Leidensweg, den ich selber erlebt habe. Ich komme ja aus einer sehr christlich geprägten Familie. Da war – was jetzt keine Bitternis sein soll – nicht unbedingt Konfliktmanagement das Erste, was mir so begegnet ist.

Und ich bin auch immer angeeckt. Ich bin schon auch ein gewisser Sonderling. Ich bezeichne das ja als rostigen Charme. Bin dabei sehr energetisch, aber auch rücksichtslos gewesen.

Beruflich war ich erfolgreich. Ich habe immer meine Zahlen erfüllt. Ich habe Firmen aufgemacht, geschlossen, 100 Arbeitsgerichtsprozesse machen müssen in meiner Tätigkeit. Hab aber gemerkt, dass das irgendwie unbefriedigend ist. Weil ich viele Menschen verletzt habe. Weil ich viele Menschen auch vor den Kopf gestoßen habe.

Und irgendwann kam einfach die Frage auf: Woran liegt das? Was trägt dazu bei? Was ist mein Anteil? Was ist der Anteil von anderen Menschen? Warum ticken Menschen so? Warum passiert das immer wieder?

Da war meine Neugier geweckt, sodass ich mich dann intensiv in das Thema hineingestürzt habe. Und natürlich auch sensibilisiert bin, weil 80-90 % unserer Kommunikation Konflikte sind.

Axel: 80-90 %?

Christoph: Ja, am Frühstückstisch geht‘s ja schon los. Dann ist zum Beispiel das Schokoladenaufstrichglas leer und dann schreit einer rum: „Wenn du das leer gemacht hast, warum hast du dann kein Neues gekauft?“

Oder mit meinem Bruder, das war der Klassiker: Wer das letzte aus der Flasche austrinkt, muss eine Neue holen. Da haben wir gekämpft, wer die letzten Neige noch zur Hälfte trinkt.

Und dann fährst du zur Arbeit, sind angeblich nur Pappnasen auf der Straße, die nicht richtig Auto fahren können.

Und so geht es den ganzen Tag letztendlich weiter, natürlich in den verschiedenen Eskalationsformen. Aber Reibungsverluste hast du fast immer, wo Menschen aufeinander treffen.

Axel: Ja, okay. Ich habe jetzt 2 Fragen an dich.

Warum Konflikte einen schlechten Ruf haben

Du sagst, 80-90 % unserer Kommunikation ist das Austragen von Konflikten. Warum, verdammt noch mal, haben dann Konflikte so einen schlechten Ruf, wenn das so viel ausmacht?

Christoph: Meiner Überzeugung nach hängt das mit den gesellschaftlichen und familiären Rahmenbedingungen zusammen. Wir lernen es nicht, mit Konflikten umzugehen, weil die Konflikte ja mehrere Seiten haben. Nicht nur zwei, sondern mehrere Seiten.

Sie sind ja Sozialkitt. D.h., wenn wir alle Konflikte austragen würden bis aufs Messer, dann würden Gemeinschaften, Familien, eine Gesellschaft auseinanderbrechen. Wir brauchen demnach schon eine gewisse Nivellierung, damit wir ein gemeinsames Ziel haben.

Auf der anderen Seite lernen wir nicht zu differenzieren, was zum Beispiel für uns wichtige Konflikte sind, die mich in meiner Entwicklung hemmen oder mir nicht die Möglichkeit geben, das Potenzial frei zu schöpfen, was ich habe.

Weil wir nicht genau wissen, wie wir das machen sollen, hat diese Balance das Image von Fußpilz, Wurzelbehandlung beim Zahnarzt oder ähnlichem.

Es ist allgegenwärtig. Wenn so ein Konflikt jedoch auftaucht, dann ist der erste Impuls aus dem vorhin Beschriebenen:

  • Es ist nicht so schlimm!
  • Lass uns mal offen drüber sprechen.
  • Das macht man nicht!

Dann kommen die gesellschaftlichen Konventionen.

Oder einfach wegducken, ignorieren. Wie viele Ehen gibt es, wo man eigentlich sagt, das ist eigentlich schon seit 30 Jahren vorbei? Und trotzdem bleibt es dabei.

Da haben wir sozusagen eine Konflikt-nicht-Behandlungstaktik in unserer Gesellschaft.

Axel: So eine Art Verdrängung, kann man sagen.

Christoph: Ja, sehr gut!

Axel: Ich unterscheide ja, wenn ich an das Thema Konflikte herangehe, zwischen den verschiedenen Konflikttypen. Im Endeffekt kann man das, glaube ich, festmachen an den Leuten, die sich unterordnen oder denen die dominieren wollen. So ein bisschen nach dem Motto: Kampf oder Flucht!

Habe ich das richtig verstanden, dass du dich früher eher in Richtung Kampf eingeordnet hättest? So nach dem Motto: gib ihm und ich setze mich durch!

Christoph: Beide Pole waren vorrätig. Wenn ich etwas wollte, war ich wirklich der Typ mit dem Flammenschwert und habe eine Schneise hinter mir gelassen.

Auf der anderen Seite gab es auch Sachen, wo ich einfach gesagt habe, das machst du nicht. Und dann bin ich quasi geflüchtet.

Es waren letztendlich nur zwei Extremformen in meinem Verhaltensrepertoire vorhanden.

Was du brauchst, um Konflikte zu steuern

Axel: Und hast du im Lauf der letzten 10 Jahre zu einer 3. Form gefunden, vielleicht zu einer Mischform?

Christoph: Ich nenne das immer eine gewisse Geschmeidigkeit. Ich werde dann ja immer gefragt, wenn ich mich so vorstelle: „Herr Michalski, dann haben Sie keine Konflikte?“

Doch auch ein Zahnarzt hat mal Zahnschmerzen. Oder ein Arzt ist erkältet.

Ich behaupte, dass ich mittlerweile Geschmeidigkeit habe, Konflikte zu steuern. Es gibt Sachen, die ärgern mich so sehr, dass ich explodiere. Es gibt aber bei mir den Moment, wo ich einmal kurz innehalten und dann wie in einem Bauchladen schaue, links ist das Wattebäuschchen und rechts ist das Samuraischwert.

Und ich habe mittlerweile das Repertoire, nach bestimmten Kriterien zu entscheiden. Ich frage mich: Wie tief lohnt es sich, in diesen Konflikt einzutauchen?

Und diese Bandbreite gibt mir eine gewisse Souveränität, nach meinen persönlichen Zielen einschätzen zu können und nicht mehr reflexartig wie auf einen roten Buzzer zu drücken und nur noch eine Variante zu haben: Entweder flüchten oder kämpfen.

Axel: Das heißt also, im Endeffekt hast du die Kontrolle, die Steuerung, übernommen auch über deine eigenen Emotionen und wählst dann ganz bewusst aus, wie reagiere ich jetzt auf diesen Konflikt?

Christoph: Das behaupte ich jetzt mal, weil das natürlich cool klingt. Ich habe natürlich auch noch Aussetzer, wo ich mir hinterher denke: „Oh Mann! Anderen Leuten bringst du es angeblich bei, aber selber kriegst du es nicht hin.“

Aber ich glaube, dass ich schon ein großes Maß an Lernfortschritt erzielt habe.

Axel: Was vielleicht die Hörerinnen und Hörer besonders interessieren könnte: wie entscheidest du, zu welcher Variante, zu welchem Werkzeug du greifst? Das Wattebällchen oder das Samuraischwert? Also woher weißt du, wann sich ein Kampf lohnt oder wann es eben besser ist, die sanftere Methode auszupacken?

Christoph: Der erste Blick fällt auf mich selber. Die Frage ist: wie wichtig ist es mir? Was berührt mich, warum dieser Konflikt jetzt anfängt? Es geht demnach um die Emotion. Was triggert mich gerade an?

Nehmen wir mal zum Beispiel so einen Wert. Den Wert Respekt. Einer meiner großen Werte ist Respekt. Die Umgangsform miteinander. Also wenn jemand in einem öffentlichen Verkehrsmittel einen anderen beleidigt, rassistisch wird, unfair wird, geschlechtsspezifisch irgendwelche Schoten reißt, dann gehe ich sofort dazwischen und würde mich dann sozusagen wirklich breit machen. Denn das triggert meinen Wert respektvoller Umgang miteinander an.

Bei anderen Sachen ist natürlich immer die Frage, was ist mein Bedürfnis? Ist es mir wichtig, dass ich das jetzt meinetwegen erreiche?

Ich versuche mittlerweile, wenig Leute zu überzeugen. Denn das ist ja eine bestimmte Form: die Debatte. Und die Debatte setzt ja voraus, dass der andere bereit ist, seine Meinung aufzugeben. Und da habe ich mir zum Beispiel angewöhnt, ich frage einen Menschen mittlerweile, wenn ich merke so nach dem ersten Argument, das ist ein bisschen härter, was er so äußert. „Gibt es irgendetwas, womit ich sie überzeugen könnte? Oder was brauchen Sie, damit sie über meinen Vorschlag nachdenken?“

Und da sagt der Mann: „Nee! Da gibt‘s nix!“

Dann höre ich auf zu debattieren.

Axel: Ja, da macht das keinen Sinn mehr.

Christoph: Ich gucke auf die Frage: Was ist mein Begehr? Dann versuche ich herauszufinden, was ist des anderen Begehr. Und dann checke ich, lohnt sich der Energieaufwand? Um sozusagen meinen Gürtel entsprechend zu bestücken.

Welche Grundbedürfnisse jeden Konflikt steuern

Axel: Das heißt auch, du guckst auch: ist der andere überhaupt zu erreichen? Macht es überhaupt einen Sinn, dass ich da einen Impuls setze? Oder ist das so ein Sturkopf, den ich heute nicht erreiche? Oder den ich nie erreichen werde? Und dann verschwendest du auch gar keine Energie.

Christoph: Ich glaube schon, dass sich alle Menschen erreichen kann. Das schaffe ich durch dieses Zaubermittel der Frage. Wenn ich frage: was brauchst du?

Durch meine vielen Ausbildungen bin ich ja ein Fan von ganz einfachen Dingen. Und es gibt meiner Ansicht nach 3 Grundbedürfnisse des Menschen:

  • nach Zugehörigkeit,
  • nach Wachstum und
  • nach Sicherheit.

Und ein Konflikt entsteht meiner Ansicht nach, wenn eins von diesen dreien oder auch mehrere unerfüllt sind. Denn das ist ja der emotionale Anteil. Ansonsten ist es ein Problem. Und über dieses Bedürfnisdefizit kommt es über die Emotion zu einem Konflikt. Und dann kann ich Menschen fragen: was brauchst du jetzt?

Dann antwortet der andere vielleicht nicht konkret. Ich frage ja auch nicht mit einer direkten Frage: Was ist dein Bedürfnis? Dann gucken die mich an und sagen: Was nimmst du für Tabletten?

Axel: Ich muss nicht aufs Klo!

Christoph: Genau!

Also versuche ich das herauszufinden. Denn ich glaube, auch hinter einer schroffen Art und Weise steckt ein gewisses Bedürfnis. Und es wäre unklug von mir, als angeblicher Kommunikationsfachmann dann zuzumachen. Ich versuche, dahinter zu kommen, was den anderen Menschen zu dieser Blockadehaltung treibt. Denn ich will ja mit ihm kommunizieren. Deshalb ist es für mich keine Variante zu sagen: „Nö!“

Es kann sein, dass ich nicht weiterkomme. Dann bitte ich aber um ein erneutes Gespräch nach einer Pause. Entweder nach einer Kaffeepause oder nach einem neuen Tag. Aber Aufgeben im Konflikt ist für mich keine Alternative.

Axel: Okay. Habe ich das richtig verstanden, dass du im Grunde genommen auch versuchst, den Menschen zu einer eigenen Klarheit zu verhelfen. Die Frage: „Was brauchst du?“, lässt ja den anderen erst einmal nachdenken über seine Bedürfnisse und was da gerade verletzt ist, wo ein Defizit da ist. Und meiner Beobachtung nach fragen sich das viele Menschen gar nicht. Also hilfst du da auch den Menschen, ein Stück weit klarer zu werden?

Christoph: Ja, aber das ist für mich jetzt nicht der Hauptgrund. Denn ich biete Ihnen die Möglichkeit, darüber nachzudenken. Ich habe ja vorhin gesagt, dass wir es nicht gewohnt sind in unserer Gesellschaft, mit Konflikten umzugehen. Deshalb haben Konflikte das schlechte Image.

Durch meine Art und Weise, wie ich das praktiziere, will ich auch ein bisschen Mission hineinbringen nach dem Motto: „Ich verstehe, dass du jetzt gerade durcheinander bist. Sag es mir. Wenn du es nicht kannst, ist das auch vollkommen okay. Aber dann überlege es dir bitte und sage es mir hinterher.“

Diese Vorgehensweise ist letztendlich eine praktische Umsetzung meiner Grundhaltung, die ich habe.

Das Gute an Konflikten

Axel: Okay. Und wenn wir jetzt die ganze Zeit über das Unangenehme von Konflikten gesprochen haben: Was ist denn für dich das Tolle an Konflikten? Warum magst du Konflikte so?

Christoph: Oh, das ist sozusagen meine Lieblingsfrage. Denn das wird ja immer untergebuttert. Weil für mich Konflikte eine unheimliche Kraft und Energie haben, die durch das schlechte Image leider übertüncht wird.

Erst mal ist es ein Zeichen von Souveränität, wenn ich mit Konflikten umgehen kann. Also alle

  • Friedensstifter,
  • Menschen, die weise sind,
  • die angerufen werden zu schlichten,

das sind alles Menschen, die Souveränität ausstrahlen. Und denen wird auch Souveränität zugeschrieben.

D.h. eine Führungskraft kann sein eigenes Standing sehr stark nach oben weiterentwickeln, wenn sie Konfliktfähigkeit entwickelt. Also, Souveränität ist der eine Faktor.

Und der andere ist Innovation.

Ich behaupte: Jede Innovation ist durch einen Konflikt hervorgerufen worden.

Das fängt im persönlichen Bereich an. Wenn ich mir überlege, möchtest du jetzt noch 20 Jahre in dem Büro sitzen und dieselbe Tätigkeit machen? Dann habe ich einen inneren Konflikt mit mir selber. Und der ist Antrieb zu sagen, ich bilde mich noch fort! Ich mach einer Weiterbildung. Ich frag meinen Chef nach einer Gehaltserhöhung. Ich wechsle den Job.

Im technischen Bereich: der Klassiker ist Thomas Alva Edison, der Erfinder der Glühbirne. Er hatte irgendwann mal die Nase voll, mit Funzeln und Fackeln zu sitzen. Da hat er die Glühbirne erfunden.

Axel: Oder Steve Jobs, der verschiedene Geräte in einem zusammengefasst hat.

Christoph: Ja, das wäre mein nächstes Beispiel gewesen. Um Steve Jobs hat ja genervt, dass die Technik vorgibt, wie der Nutzer das behandeln soll. Also die Usability vorgibt. Hat er gesagt: „Das muss anders sein!“

Innovation bedeutet immer, dass ein Konflikt da ist, der eine Energie gibt.

Und das ist ja mein Lieblingsthema: welche unheimliche Kraft und Energie drin steckt in dem Konflikt, wenn ich in der Lage bin, ihn auszuleben bzw. in Energie umzusetzen.

Und das finde ich einfach faszinierend.

Axel: Ich sage es einmal so, mir geht es in Konflikten so, dass ich mich im Konflikt selber nicht besonders gut fühle. Das liegt, glaube ich, in der Natur der Sache. Wenn ich mich aber auf so eine Art Metaebene begeben kann, reibe ich mir teilweise die Hände und sage mir: „Wow! Da kann ich wachsen. Da kann etwas Neues entstehen.“

Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin da ein bisschen schizophren. Aber vielleicht geht es dir ja ähnlich, dass du sagst, im Konflikt selber fühlt es sich natürlich nicht ganz so gut an. Auf einer anderen Ebene weißt du, daraus entsteht Neues, daraus entsteht ganz viel Energie. Dann kann man sich sogar über Konflikte – ich sage mal – sogar ein Stück weit freuen auf einer gewissen Ebene.

Christoph: Natürlich, wenn es einen hochhergehender Konflikt ist mit starker emotionaler Beteiligung, dann ist das nicht schön. Da ist man nicht gerne drin.

Das ist ja so wie beim Sport. Wenn du deinen Lauf machst, wenn du deine Eisen stemmst, in dem Moment, wo die Muskeln schmerzen und du wie ein Ferkel schwitzt, fragst du dich auch immer: warum mache ich das eigentlich? Du weißt aber, dass du eben hinterher fitter, leistungsstärker bist oder auch mehr Muskeln hast, attraktiver bist oder Ähnliches.

Also durch den Schmerz hindurch gehen um hinterher zu merken: Wow! Das war Klasse. Genauso ist es bei Konflikten.

Axel: Und auch beim Sport – und ich glaube auch – bei Konflikten, um diese Parallelität weiter zu beleuchten, ist es ja auch so, dass sobald du mit dem Training aufhörst oder der Konflikt gelöst ist, macht sich so ein euphorisches Gefühl breit. Nicht nur auf lange Sicht hat man mehr davon, vielmehr belohnt uns die Natur da auch relativ schnell.

Christoph: Ja, das Glückshormon kommt und flutet in die Bahnen.

Axel: Ja, genau, genau!

Doofe Konflikte

Christoph, gibt es denn Konflikte, welche du überhaupt nicht magst?

Christoph: „Überhaupt nicht“ relativiere ich etwas. Konflikte, die an die Nieren gehen, sind schon langfristige Konflikte. Also wenn sich Sachen richtig verhärtet haben. Wenn es beispielsweise in Firmen heißt, seit 10 oder 15 Jahren arbeiten Menschen zusammen und haben irgendwann mal einen ungelösten Konflikt gehabt, der sich dann so aufbaut und manifestiert. Diese sind relativ schwer, finde ich persönlich.

Die nächste Kategorie wären Konflikte, wo ein großes Gefälle drin ist. Also wo jemand zum Beispiel eine Machtposition ausnutzt, um irgendetwas zu machen. Wir bleiben im Firmenbereich, Beispiele sind: jemanden klein zu halten, jemanden in seiner persönlichen Art und Weise herabzuwürdigen. Das sind schon verdammt schwierige Konflikte. Die gehen mir auch persönlich ganz einfach mit meinem Wert Respekt ziemlich nahe.

Axel: Bist du dann selber bei solchen Konflikten noch beteiligt? Oder bist du eher der Beobachter, der Trainer, der Coach, der das sieht und dem das dann nahe geht?

Christoph: Das ist eine sehr interessante Frage, weil es die Frage ist nach Neutralität und Allparteilichkeit.

Natürlich bin ich empathisch. Wenn mir jemand etwas erzählt, dann stockt mir manchmal der Atem und ich bekomme Gänsehaut. Wobei ich mir denke: „Das kann doch nicht wahr sein!“ Wie in besagtem Beispiel, wo ich mich frage, was hat dieser Mensch 10 Jahre lang aushalten müssen!

Aber das ist ja der Grad meiner Professionalität. Ich brauche nicht neutral zu sein, denn das geht sowieso nicht. Heisenbergs Unschärferelation: in dem Moment, wo du beobachtest, veränderst du den Versuchsaufbau.

Wenn ich demnach mit jemandem rede, kann ich die Energie aufnehmen, ich kann sie in meiner Professionalität filtern und Ähnliches. Und dann sozusagen ummünzen und wieder zurückgeben.

Natürlich versuche ich, mir das nicht so sehr zu Herzen zu nehmen, dass ich nachher mit schlechter Laune rausgehe. Professionelle Distanz ist für mich elementar.

Wann ist ein Konflikt gelöst?

Axel: Du hast gerade schon gesagt, es gibt zum Beispiel in Firmenkonflikte, die über 10 oder 15 Jahre nicht gelöst werden. Wann ist denn für dich ein Konflikt gelöst?

Christoph: Wenn bei einer direkten Begegnung von zwei Menschen der Blutdruck ähnlich bleibt.

Denn zum Thema „gelöst sein“: es gibt bestimmte Konflikte, die lassen sich vielleicht auch nicht lösen, weil sie sich einfach aufgrund von persönlichen Animositäten oder unterschiedlichen Wertvorstellungen nicht lösen lassen. Es lässt sich dann aber eine professionelle Basis miteinander herstellen.

Dieses „wir haben uns alle lieb und erzählen uns alles“ muss im Berufsleben – für das ich mich zuständig fühle, ich bin ja kein privater Beziehungs-Coach oder Ähnliches – im Berufsleben jedenfalls ist es möglich, eine gesunde Basis zu schaffen, dass man sagt: wir können professionell zusammenarbeiten.

Wann der Konflikt gelöst ist? Ich glaube, diese Frage lässt sich gar nicht beantworten. Denn das ist ja kein sachliches Problem wie eine Gleichung. Da kann ich sagen: „2 + 2 = 4“. Nein: 5. Und dann rechne ich so lange, bis es wieder 4 ist.

In Konflikten haben wir es jedoch mit Gefühlen zu tun. Deshalb versuche ich immer, das Konflikte-steuern in den Vordergrund zu rücken.

Nur will das keiner hören. Wenn ich so sage: „Ich steuere.“, Dann kommt die Gegenfrage: „Ja, können Sie denn meinen Konflikt lösen?“ Dann antworte ich: „Ich kann deinen Konflikt nicht lösen. Ich kann dich dazu ermächtigen, dass du an deinem Konflikt arbeitest. Und vielleicht wirst du dann irgendwann merken, wenn der Konflikt gelöst ist.“

Das ist jetzt keine Feigheit vor meiner Arbeit, viel mehr aktiviere ich die Selbstheilungskräfte eines Menschen.

Axel: Also bist du so eine Art Arzt, der die Heilung bzw. die Selbstheilung der Menschen unterstützt?

Christoph: Dr. Michalski wäre etwas übertrieben. Aber mir gefällt das Unterstützende. Den anderen dazu anzuleiten, eben nicht auf das Medikament zu setzen und zu sagen: „Nimm jetzt Konfliktan 20.000 Milligramm, und dann geht‘s dir wieder gut!“

So gesehen wäre ich eher ein Alternativmediziner.

Konflikte steuern in 3 Schritten

Axel: Okay. Hast du so eine Art 5-Schritte-Programm oder so eine Art Modell das du für das Konfliktverhalten deinen Kunden und Menschen, die sich an dich wenden, empfiehlst?

Christoph: Im größeren Rahmen gibt es 3 Teile, wenn ich einen Konflikt habe.

  1. Ich bereite mich vor.
  2. Ich führe durch.
  3. Und ich beobachte hinterher die Historie.

Die Historie wird meistens vergessen, weil wir froh sind, dass der Konflikt vorbei ist. Und dann wird das sofort abgehakt. Da sollte man definitiv im Kopf haben, egal wie der Konflikt ausgegangen ist, hinterher noch einmal eine Nachsorge zu machen.

Zu konkreten Hilfsmitteln:

Der erste Tipp oder erster Checkpunkt ist für mich: Was ist die Emotion dabei? Denn das macht ja den Konflikt aus. Ansonsten ist es ein Problem oder eine Panne.

Konfliktmanagement ist Emotionsmanagement.

Das ist vielleicht eine beunruhigende Nachricht. Aber meiner Ansicht nach geht es nicht anders, als über die Emotion zu gehen. Und da wieder über die vorhin schon genannten Bedürfnisse heranzukommen. Denn wenn ich das Bedürfnis des anderen füllen kann, dann macht es meiner Beobachtung nach plötzlich so pffffffff.. D.h. die Luft kommt raus.

Konkretes Beispiel: Ich bin Chef und unterhalte mich mit einem Mitarbeiter. Und der guckt mich immer an wie ein Kaninchen. Dann kann ich ihn fragen: „Was ist los?“

Welches Bedürfnis – das ist jetzt theoretisch – ist nicht gefüllt?

Dann sagt er: „Wenn Sie so mit mir reden, habe ich Angst, dass sich hinterher nicht mehr Mitarbeiter bin.“

Das ist das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Sicherheit.

Dann kann ich sagen: „Oh, das ist nicht mein Ansinnen. Ich verspreche Ihnen, egal wie dieses Gespräch ausgeht, sind Sie natürlich hinterher weiterhin mein Mitarbeiter.“

Und dann macht es plötzlich pfffffff…. Weil ihm dann die Sicherheit gegeben wurde. Und dann kann er ganz anders mit mir reden.

Und dann gibt es für mich sozusagen als dritten Punkt die 3 Konfliktkategorien

  1. Debatte
  2. Spiel und
  3. Kampf.

Das hatten wir schon kurz angedeutet.

Debatte heißt: ich überzeuge den anderen mit Argumenten. Ich frage ihn – ich habe es schon erwähnt: „Kann ich dich überhaupt überzeugen?“

Denn zum Beispiel Verkäufer haben ja gelernt, ein Nein heißt „Noch ein Impuls notwendig“. Ich debattiere mit dem Kunden. Dann sagt der Nein. Dann weiß ich: Oh, ich muss ein stärkeres Argument bringen. Aber vielleicht will der nicht überzeugt werden und wird eher noch bockig durch meine Hartnäckigkeit. Also frage ich Menschen: „Kann ich dich überzeugen?“ „Nein.“

Wenn nicht, gehe ich in die Kategorie Spiel. D.h. wir vereinbaren miteinander Spielregeln wirklich wie meinetwegen beim Brettspiel.

  • Welche Züge sind erlaubt?
  • Wann ist das Spiel zu Ende?
  • Welche Regeln gibt es?
  • Oder welche Maßnahmen gibt es bei Spielregelverletzungen?

Dann legen wir die fest. Das ist so ähnlich wie bei Doppelkopf. Spielst du das?

Axel: Ich habe es früher einmal gespielt.

Christoph: Das ist ein Kartenspiel ähnlich wie Skat. Nur mit mehr Karten und mehr Leuten.

Der gibt es ja verschiedene Spielvarianten. Es gibt zum Beispiel Schweinchen. Da sind dann plötzlich über den höchsten Trümpfen, ich glaube, die beiden Karo Asse noch über den Kreuz Damen.

Das muss ich vorher vereinbaren mit meinen Spielpartnern. Sonst gibt es noch mehr Konflikte.

Im Berufsleben kann das sein: wir machen eine Matrix. Die Punkte, über die wir jetzt gerade streiten, werden aufgeführt. Wir führen Kriterien ein. Wir bewerten das dann mit Punkten. Und wenn das nicht funktioniert und ein Patt herauskommt, dann gehen wir zum Vorgesetzten und stellen das vor. Und das, was der entscheidet, gilt.

Axel: Das ist ja auch eine Spielregel.

Christoph: Wir fragen: Ist das okay für den anderen? Dann lasst uns anfangen. Und das Ganze in 30 Minuten.

Axel: Okay.

Christoph: Und wenn das nicht funktioniert, sind wir in der Kategorie Kampf. Keine Regeln. Und einer muss am Boden liegen, wenn der Kampf vorbei ist.

Ich mache mal diese Kategorien kurz an einem Beispiel deutlich: Mobbing.

Mobbing ist ein Kampf.

Spielregelverletzungen wie

  • Beißen,
  • Kratzen,
  • Lügen,
  • Betrügen,
  • Kalender fälschen

sind alle erlaubt mit dem Ziel, dass der andere rausgeht.

Was machen Firmen so häufig?

Und jetzt karikiere ich das einmal sehr stark. Die holen dann den Mobber oder die Mobberin zu sich und sagen: „Lieber Mobber, wir möchten, dass du damit aufhörst. Wie können wir dich davon überzeugen, dass du das lässt?“

Sie fragen in der Kategorie Debatte bei einem, der im Kampf ist. Und daran wird dieser Blödsinn richtig deutlich. D.h. als Konsequenz der Kategorien folgt, ich einige mich mit meinem Gesprächspartner auf die Kategorie.

Debatte, Spiel oder Kampf?

Wie der Konfliktnavigator arbeitet

Axel: Sagst das dann auch, wenn du jetzt als Berater oder Mediator beauftragt wirst? Sagst du das dann auch: „Wir müssen zuerst einmal die Kategorie bestimmen. Sind wir in der Debatte, sind wir im Kampf oder sind im Spiel?“ Oder wie machst du das konkret?

Christoph: Jetzt kommt kurz ein bisschen Eigenlob. Das ist ja meine Leistung, die ich mit meinem Konfliktsystem vollbracht habe. Ich gebe Menschen Worte, Worthülsen, Wortbeispiele, Wortfragmente an die Hand.

Wenn ich in Firmen bin, gibt es meistens eine kleine Einführung zu meiner Idee. Und dann können die sich miteinander verständigen. Dann kann ja einer zum Beispiel wirklich sagen: „Ich merke gerade, mein Bedürfnis nach Entwicklung, nach Wachstum wird nicht genügend gewürdigt in der Diskussion.“

Dann hat er sich auf meine 3 Bedürfniskategorien berufen. Oder auf die 3 Konfliktkategorien.

Denn es herrscht ja diese Sprachlosigkeit, die wir schon mehrfach angesprochen haben. Wir wissen nicht wie es geht. Wie sage ich es dem anderen? Also gebe ich den Leuten einfacher Vokabeln, einfache Modelle an die Hand, dass die dann anhand dieser Sachen miteinander reden können.

Und das schönste Kompliment für mich ist immer, wenn eine Firma sagt: „Herr Michalski, wir brauchen sie nicht mehr. Wir haben verstanden, wie es geht. Und Tschüss!“

Axel: Super! Sehr schön!

Hast du vielleicht ein konkretes Beispiel? Du hast jetzt schon über Mobbing im allgemeinen gesprochen. Hast du noch ein konkretes Beispiel? Entweder aus deinem Leben oder eins, was du vortragen darfst oder kannst, anonymisiert oder wie auch immer? Wo du mal beschreibst, wie du Menschen ermächtigt hast, Konflikte zu lösen? Oder auch nicht zu lösen, aber damit klarzukommen.

Christoph: Ja, der Klassiker war schon innerhalb einer Abteilung. 4 Personen, Einzelgespräche geführt. Und sie auf Vokabeln, die ich jetzt schon mehrfach gebracht habe, angesprochen.

Was ist das Bedürfnis? Was kränkt Sie? Was wünschen Sie sich? Was brauchen Sie? Was für eine Spielregel hätten Sie gerne?

Und nach diesen Einzelgesprächen, wo Leute teilweise mit seitenlangen Auflistungen, wer wann was gemacht, gesagt, nicht gemacht hat, angekommen sind, konnten die dann, als es die große Runde ging, komplett anders miteinander sprechen. Weil sie sich nun artikulieren konnten und gemerkt haben, es herrscht eine gewisse Gleichrangigkeit. Ich rede über meine Gefühle und was ich möchte. Und der andere macht das auch.

Und das Kuriose war daran: es stellte sich dann hinterher heraus, dass das gar nicht ein persönliches Ding war, sondern dass es ein Systemproblem war. Weil bestimmte Prozesse nicht optimal waren, gab es den Ersatzschauplatz, dass es auf die persönliche Ebene ging. Und da war plötzlich der Vorgesetzte gefragt.

Und dann – Geschichten gehen ja manchmal mit einem Happy End aus – stellte sich plötzlich heraus, als der Vorgesetzte dazu kam, dass es eben nicht ein Konfliktthema der Menschen war, sondern das entzündete sich nur daran, dass bestimmte Prozesse nicht optimal miteinander verzahnt waren.

Dann kam noch hinzu, dass die Bürokonstellation, die Büronutzung etwas umgestellt wurde. Da ging es dann ums Telefonieren. Einer hat ganz viel laut telefoniert. Der andere musste dann an Excel-Tabellen arbeiten und Ähnliches.

Das waren solche Klassiker, die dann aufgedröselt worden sind.

Also: persönliche Dinge, nach dem Motto „Das wusste ich gar nicht, dass dir das so wichtig ist!“. Dann Systemfragen: „Oh, die Prozesse können gar nicht miteinander funktionieren, weil an der Schnittstelle ist eine Sollbruchstelle. Das kann gar nicht funktionieren.“

Und dann wurde gemeinschaftlich eine Idee entwickelt, wie das abzustellen ist. Und das ist alles an einem Tag passiert. Und da geht dann natürlich mein Herz auf, denn ich habe dann auch eine Flasche Champagne hinterher bekommen von einer Person. Weil die gesagt hat: „Herr Michalski, das hat mich so belastet die letzten Jahre, und ich bin so froh, dass das ohne Porzellan zu zerbrechen gelöst wurde.“

Axel: Klasse!

Christoph: Ja, das sind Glücksmomente.

Axel: Ja, das kann ich gut nachempfinden.

Christoph, ich habe dich ja einmal als Redner erlebt, als Vortragsredner auf der Bühne. Da durfte ich dich anmoderieren. Ich habe dein Buch hier auf meinen Schreibtisch liegen. Das ist die Konflikt-Bibel, was ich im Übrigen sehr lustig finde, weil du ja am Anfang gesagt hast, deine religiöse Familie hatte einigen Konfliktzündstoff in sich. Und dass du dann die Konflikt-Bibel schreibst, das finde ich auch recht lustig. Das sagt auch einiges über deinen Humor.

Christoph: Ja!

Axel: Oder sage ich da jetzt irgendetwas Falsches?

Christoph: Nein, nein, überhaupt nicht! Ich hatte ja mit rostigem Charme begonnen. Und aufgrund meine Biografie habe ich so ein pastorales Gehabe. Ich habe dann auch so einen grauen Bart. Und um das auch einmal mit Selbstironie zu sagen, ich bin ja Diplom-Klugscheißer.

Ich habe halt eine unbändige Neugier. So haben auch andere von mir das Bild, dass ich naseweis bin. Also letztendlich eine Bibel – so ein Grundlagenwerk – zu schreiben, das ist natürlich die Zuspitzung auf eine gewisse Form der Ironie. Das musste einfach so sein. Es gibt kein anderes Buch.

Axel: Und es ist auch lesenswert. Das kann ich an der Stelle schon einmal sagen.

Christoph: Danke!

Axel: Ich werde natürlich den Link zum Buch in die Shownotes stellen. Auch den Link auf deine Seite.

Wie Christoph Unternehmen und Menschen hilft

Was können denn Menschen von dir sonst noch erwarten, wenn sie sagen: „Oh wir haben da Konflikte!“? Wie kannst du Menschen helfen?

Christoph: Das Buch lesen ist natürlich das eine. Das wäre gut vor der Kontaktaufnahme, erst einmal zu gucken, passt der zu mir?

Dann gibt es einen YouTube Kanal „Konfliktmanagement TV“, wo man mich mal persönlich erleben kann und sieht, ob die Chemie stimmen könnte.

Axel: Den verlinke ich dann auch.

Christoph: Und wenn es im Firmenkontext ist, bin ich dazu übergegangen, mich von diesen Ein- und Zwei-Tages-Seminaren immer weiter zu entfernen.

Wir könnten darüber einen anderen Podcast machen darüber, dass die Transferchancen des in dieser wunderbar angenehmen Zwei-Tages-Atmosphäre Gelernten relativ gering sind.

Meine Vorgehensweise bei Firmen ist: ich komme für anderthalb Stunden, mache einen Workshop mit den Führungskräften, wo ich meine Idee erläutere und wir anhand von ersten Beispielen das mal durchprobieren. Dann bekommen die „Hausarbeiten“.

Dann komme ich wieder. Sie können auch alternativ den Konfliktkoffer von mir bekommen. Das ist ein physischer Koffer. Michalskischer Humor: Das ist ein hochwertiger Koffer mit einem Überdruckventil. Für Konflikte muss der natürlich so sein. Und einem 12 Wochen-Online-Lernprogramm fürs Selbststudium, wo ich dann auch ab und zu mal wieder vorbeikomme.

Und hinterher gibt es dann wieder nach 12 Wochen ein Treffen nach dem Motto: ich bringe ein paar Konflikte mit. Wer mich schon einmal gesehen hat, ahnt ja, dass ich auch eine gewisse Rampensau bin. Das gebe ich auch offen zu. D.h. ich stelle mich dann zur Verfügung, ich provoziere Konflikte. Oder spiele Konflikte. Sodass Menschen ausprobieren können, wie sie ihre Konfliktfähigkeit geschult haben.

Also: kurze Impulse von mir und dann einfach immer wieder die Möglichkeit des Feedbacks.

Ich biete auch eine Consulting Flatrate an. Also Firmen, die mit mir zusammenarbeiten, haben ein 24/7-Zugriffsrecht auf mich.

Das klingt immer so ein bisschen nach: naja, ist ja toll!

Ich mache das aus einem persönlich erlebten Grund. Ich kriege dann anrufe, wenn ich das durchführen, von Leuten, die sagen: „Herr Michalski, ich habe morgen ein ganz schweres Gespräch. Mir fehlt der erste Satz. Ich weiß nicht wie ich anfangen soll.“

Ich habe ja mit diesen Menschen schon gearbeitet. Das braucht dann manchmal nur 2 Minuten, wo ich ihm dann nicht sage was er sagen soll, sondern ihn dahin führe, dass er sagt: „Ja, genau, das ist der Satz! Damit fange ich an.“

Stell dir mal vor, dieser Mensch würde die ganze Nacht wach liegen und dann das Gespräch am nächsten Tag mit irgendeinem Satz beginnen. Der Aufwand für mich ist relativ gering. D.h. wirklich für mich: nah am Menschen. Und das zeichnet die Besonderheit meiner Arbeit aus: ich glaube, dass trotz meines rostigen Charmes Menschen sich bei mir geborgen fühlen.

Axel: Das klingt schön.

Und wenn ich das richtig verstanden habe, heißt das, du bist jetzt nicht so der Fan von so Ein-Zwei-Tagesworkshops, und dann schickst du die Leute wieder in den Alltag. Sondern du begleitest sie, um das Ganze nachhaltig zu gestalten über 12 Wochen, wenn ich es richtig verstanden habe. Oder noch länger.

Christoph: Ich bevorzuge das. Ich bewerte nicht, was andere machen, sondern ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade bei so einem hochemotionalen Thema die Entwicklungsmöglichkeit durch kleine Schritte das entscheidende Element ist sind. Und das ist genau, wie du ja gerade wunderbar geschrieben hast, die langfristige Begleitung.

Axel: Okay! Wie schon gesagt verlinke ich dann in den Shownotes auf deine Seite mit deinen Angeboten, auf dein Buch, auf deinen YouTube-Kanal. Die Hörerinnen und Hörer, die sich weiter informieren möchten, können das dort dann gerne tun und finden dich dann auch entsprechend.

Christoph: Danke!

Der letzte Konflikt

Axel: Christoph, eine letzte Frage: welchen Konflikt wünschst du dir noch für dein Leben?

Christoph: Den größten Konflikt, den ich mir wünsche, ist die Frage: Nehme ich ein Wohnmobil mit zwei Achsen oder einer? Das wäre sozusagen noch meine Altersvorsorge, in einem Wohnmobil der Sonne entgegen zu fahren.

Axel: Okay! Das klingt ja toll. Und hast du schon eine Tendenz: 2 oder 1?

Christoph: Na ja, 2. Im Alter muss man sich schon ein bisschen Luxus gönnen!

Axel: Okay! Christoph, hast du abschließend noch irgendwelche Fragen, Anmerkungen oder habe ich etwas Wichtiges vergessen?

Christoph: Nein. Vielleicht nur noch eins aus meiner tiefsten Überzeugung heraus: der Appell, der ja auch die ganze Zeit unser schönes Gespräch durchwabert hat, den Menschen einfach den Mut zu machen, Konflikte aktiv anzugehen. Denn Vergraben, Ignorieren bringt überhaupt nichts. Das kennt jeder aus dem Familienkreis.

Also aktiv angehen, auch wenn der Anfang schwer fällt. Hinterher ist es einfach glücksflutend. Und sich dann nicht entmutigen lassen durch Miesmacher, Menschen, die nicht in der Lage sind, das durchzuführen.

Axel: Ein schönes Schlusswort, wie ich finde.

Christoph, ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview. Es hat mir großen Spaß gemacht und dann sage ich mal: bis demnächst irgendwo! Wir sehen uns sicherlich wieder.

Christoph: Ganz herzlichen Dank, dass du mich wunderbar durch dieses Gespräch geführt hast mit deinen sehr zielführenden Fragen. Und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich danke dir, Axel.

Axel: Das freut mich. Dann mach‘s gut. Bis demnächst! Ciao!

Christoph: Ciao!

Ja, das war das Interview mit Christoph. Bist du auch so begeistert wie ich von ihm? Da fühlt sich das schwere Thema Konflikte doch gleich ganz anders an, oder?

Den Link zu seiner Homepage, zu seinem Buch „Die Konflikt-Bibel“ und zu seinen YouTube-Kanal findest du wie immer in den Shownotes. Dorthin gelangst du unter dem Link Konflikt-Power.de/024. Denn dies war die 24. Episode.

Wenn dir mein Podcast gefällt, dann hinterlasse mir doch bitte ein paar Sternchen bei iTunes oder wenn du magst auch eine kurze Rezension. Ich danke dir ganz herzlich dafür.

Ich wünsche dir noch eine wundervolle Woche. Bis zur nächsten Folge!

Mach‘s gut! Ciao!


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2 Kommentare

  • Ein wunderbar leichter Dialog über ein Thema, was so oft soooo schwer ist. DANKE für die vielen kostenbaren Impulse!
  • Liebe Tanja,

    vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Christoph und ich freuen uns, dass unser Gespräch gut ankommt.

    Viele liebe Grüße

    Axel

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